Spektrale 12 / Teilnehmer
1 Alexandre Sladkevich

Alexandre Sladkevich
Berlin
VITA
Er geizt mit seinen Lebensdaten. Von sich selbst behauptet er, ein Tramper, ein Schlachtfeld-Archäologe des Suchtrupps „Erinnerung“ und ein Volonteer-Archäologe und Restaurator zu sein. Zudem ist er freiberuflicher Fotodesigner, Journalist, Künstler, Schriftsteller und Forschungsreisender im eigenen Unternehmen „Sladkevich Photography and Journalism“.
„Fundstücke“
Blick nach vorn zurück
Der in Berlin lebende Alexandre Sladkevich war 2023 zum ersten Mal in Lieberose. Vom Truppenübungsplatz und den inzwischen großenteils entsorgten Hinterlassenschaften der sowjetischen Streitkräfte war der in Swerdlowsk, dem heutigen Jekaterinenburg Geborne und Aufgewachsene, sofort fasziniert und hat versucht, die in die Gegenwart hineinreichende Vergangenheit des Schießplatzes fotografisch sichtbar zu machen. Seitdem war er noch zweimal mit der Kamera vor Ort.
Für die Ausstellung selbst sind drei Bilder aus einer jüngeren Serie vorgesehen. Aneinandergereiht bilden sie unter dem Motto „Blick nach vorn zurück“ das Entrée auf dem Weg zur Warschauer Höhe, dem Epizentrum der Ausstellung.
2/9 Kunstwerkstatt Lieberose – Beeskow
Kunstwerkstatt Lieberose – Beeskow
Heidemarie Klaue
Dieter Klaue
Lieberose
VITA
„Elfen-Reigen“
Heidemarie Klaue sieht in den aus der nordischen Mythologie stammenden Naturgeistern nicht nur romantische Fabelwesen. Vielmehr erkennt sie in ihnen Bewohnerinnen mit dem wahrscheinlich ältesten Mietrecht in der Lieberoser Wildnis. Ihre Elfen, die sich, sechs an der Zahl, im Reigen zwischen Birkenstämmen versammeln, sind allerdings keine mit magischen Kräften ausgestattete spitzohrige Wesen und auch keine, aus der Literatur bekannte, geflügelte Kleinwesen. Auch hat sie auf jegliche naturalistische Annäherung verzichtet zugunsten einer naturnahen Stilisierung, die vom geschmückten Kranz als dem Erkennungsmerkmal von tanzenden Elfen inspiriert wurde. Diese Kränze mit einem Durchmesser von etwa 60 cm sind mit verschiedenen, mehrheitlich in der Lieberoser Wildnis gefundenen Naturmaterialien bestückt. An ihren Rändern sind leichte Textilbahnen angebracht, die bei günstigem Windhauch eine in Bewegung geratene figurale Andeutung erzeugen oder fließende Gestaltformen annehmen, die in ihrer Rätselhaftigkeit und in der Gruppe ihren ganz eigenen Zauber entfalten. hs

„Tierische Invasion“

3 Annett Glöckner
Annett Glöckner
Neuruppin
VITA
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1964 in Borna bei Leipzig geboren; lebt und arbeitet in Neuruppin
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1982-1984 Lehre im Bleisatz
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1986-1987 Ausbildung im Fotosatz
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1987-1993 Studium Hochschule der Künste Berlin. Diplom und Meisterschülerin bei Prof. Bernhard Boës
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1987-2012 Studium Flamencotanz, Afrikanischer Tanz, Improvisation, Body Mind Centering, Butoh, Performance, Stimme
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2005-2020 Weiterbildung Sprache und Dichtung
„Natur Comics“
Vor der Fertigstellung ihres Kunstwerkes, zwei große Tafeln mit Poesie und Zeichnungen in Grün, Weiß und Violett (für Heidekraut), wird Annett Glöckner mehrere kleine Reisen machen und Worte sammeln kommen in Lieberose und Umgebung. Aus diesen Fundstücken wird sie Gedichte und Texte schreiben, in denen sie die Landschaft, die Bäume und die Vögel direkt anspricht und sichtbar und spürbar macht, wie diese antworten. Hallo Natur! Hallo Mensch! Ja, sie antworten, denn Annett Glöckner ist nicht nur Bildende Künstlerin sondern auch Dichterin und Performerin.
4 Hannes Forster
Hannes Forster
Jamlitz
VITA
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1955 in Tuttlingen, Baden-Württemberg, geboren. Lebt und arbeitet seit 1996 in Mochlitz/LDS
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seit 1979 Studium an der Hochschule der Künste, Berlin, Masterstudent von Herbert Kaufmann; seitdem eingehende Beschäftigung mit der Verbindung von Kunst und Architektur
„Baumhaus“
Normalerweise müssen Bäume dem Neubau eines Hauses weichen. Aber nicht so in der Lieberoser Heide. Um eine Kiefer oder Kleingruppe von drei Birken plus Kieferngestrüpp wird ein einfaches Fachwerk gestellt, das anschließend verbrettert wird. Es entsteht eine einfache Barackenarchitektur, wie sie häufig in militärischen Zusammenhängen vorkommt. Ein Dach existiert allerdings nicht und der/die einzige(n) Bewohner ist/sind die umbauten Bäume, die aus dem nach oben offenem Bauwerk herauswachsen und die Architektur stetig hinter sich lassen. Es handelt sich um einen Versuch, mit der Architektur naturgemäß umzugehen – hoffentlich kein einmaliger Vorgang. (hf)
5 Detlef Mallwitz
Detlef Mallwitz
Letschin OT Ortwig
VITA
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1951 in Berlin geboren; lebt und arbeitet in Ortwig bei Letschin
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1954 – 1970 aufgewachsen in Athen, Abitur an der Deutschen Schule Athen – Dörpfeldgymnasium
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1971 – 1977 Architekturstudium an der Universität Stuttgart, Diplom
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1978 – 1985 Studium der Bildhauerei an der Hochschule der bildenden Künste Berlin bei Prof. Bernhard Heiliger, Meisterschüler
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1977-1989 Teilnahme an Architekturwettbewerben und -ausstellungen
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1981-1986 Aufbau des Archivs der Internationalen Bauausstellung Berlin
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seit 1990 freier Künstler: Ausstellungen und Kunst im öffentlichen Raum
„Raumschiff“
Meine Vorstellung hat sich aus einem Gebilde meiner jahrelangen künstlerischen Forschung in punkto der Verwandlung von Dingen in ihr Gegenteil entwickelt. Vom Schießplatz für Soldaten zum Erholungsort für Zivilisten – ein wahrer Gegensatz. Angesichts sich verändernder Zeiten und allgemeiner Verwirrung, was die Zukunft angeht, habe ich von den möglichen Konfigurationen das Schiff gewählt. Das Schiff auf dem Trockenen. Erweitert manden Begriff des Schiffes, so kann es auch ein Raumschiff sein, das da in der Landschaft liegt und Rätsel aufgibt. Durch die Verwendung von gleichförmigen Holzlatten erhält das Schiff eine perfekte Gestalt, in der kühle Geometrie und Perfektion des Modells vorherrschen. Das sachliche Erscheinungsbild kontrastiert das natürliche Umfeld der entstehenden Wildnis und regt auf seine Weise zum Nachdenken an.

6 Clemens Tremmel
Clemens Tremmel
Leipzig
VITA
1988 geboren in Eisenhüttenstadt; lebt und arbeitet in Leipzig
2008-14 Studium Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Dresden (HfBK) bei Prof. Christian Sery und Prof. Hans Peter Adamski
2014-16 Meisterschüler bei Prof. Ralf Kerbach;
„Palme“
Wo früher einmal Panzer fuhren, wächst jetzt eine Palme
Ein ehemals militärisch genutzter Ort der Kontrolle, Überwachung und territorialen Ordnung, wird durch einen künstlerischen Eingriff in einen Gegenraum transformiert. An die Stelle historischer Grenzziehungen tritt ein Ort, an dem natürliche und gesellschaftliche Prozesse die Logik klarer Abgrenzung unterlaufen. Dort, wo früher militärische Strukturen dominierten, wächst eine Palme als sichtbares Zeichen von Durchlässigkeit und Wandel.
Die Palme fungiert als zentrales Symbol des Projekts. Sie steht für gesellschaftliche Verschiebungen und für das Sichtbarwerden von Menschen, Kulturen und Lebensformen, die zuvor als „fremd“ markiert waren und zunehmend Teil des sozialen Raums werden.
7 Hans Georg Wagner
Hans Georg Wagner
Cottbus
VITA
1962 in Havelberg geboren; wenige Jahre später Umzug nach Cottbus; zwischen 1979 und 1981 Tischler-Lehre; 1983 bis 1986 Studium der Holzgestaltung an der Fachschule für angewandte Kunst in Schneeberg, die heute an die Westsächsische Hochschule Zwickau angegliedert ist; Studium unter der Mentorenschaft des Bildhauers und Designers Hans Brockhage und des Künstlers Karl Heinz Jakob;
nach Abschluss im Jahr 1886 Arbeit im Atelier in Cottbus, das bis heute Zentrum seines Schaffens ist.
„Zusammenstehen . Tänzer . Aufstehen“
Großer Odertorso, Tänzer und Aufstehen, immer wieder
Meine Installation, bestehend aus den drei Eichenholzskulpturen, setzt ein kraftvolles und zugleich behutsames Zeichen für den sorgsamen Umgang mit Holz, das ja mehr ist als „nur ein Material“, es ist immer ein Stück anderen gelebten Lebens. Die zwei aufrechtstehenden Skulpturen entstanden aus einem Eichenstamm. Dieser Baum hatte zu Lebzeiten Erfahrungen, die ihn in enge Beziehungen setzen zu dem, was hier in der Heide ablief. Die dritte Skulptur verweist auf das Grundprinzip des Lebens: Immer wieder aufstehen, immer wieder von vorn beginnen. Sie bildet ein Gleichnis für diese Sukzessionslandschaft.Für alle Skulpturen der Installation nutzte ich beim Erstellen die uralten Techniken des Spaltens und Behauens, was zu einer Erhöhung der Dauerhaftigkeit und Beständigkeit im Witterungsbereich führt.


8/10 Lothar Seruset
Lothar Seruset
Lentzke
VITA
1956 in Ulm geboren; 1988 Meisterschülerernennung an der Hochschule der Künste Berlin bei Prof. J. Schmettau und Prof. E. Strautmannis; 1988 – 1989 DAAD Jahresstipendium für die Niederlande/Amsterdam; 1993 – 1995 Karl-Hofer-Stipendium Berlin; 2006 Arbeitsstipendium Künstlerhaus Lukas in Ahrenshoop; 2007 Organisation der Ausstellung „water_please“, das Schaufenster, FH Potsdam, Kunstverein Ulm; 2015 Realisierung einer Skulptur, Fliegen, Flughafen München; 2019 Stipendium des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Künstlerdorf Schöppingen
„Kleiner Eisbär“ und „Im Eis“
Die Skulptur „Im Eis“ erscheint als eine sprechende Möglichkeit, um das Motto „Land von Morgen“ zu thematisieren: Die Frage nach dem Verhältnis des Menschen zu seiner Umgebung, zu den Lebensräumen, die besetzt, die gestaltet wurden. Und die mitdiesem Ort die Transformation eines Panzerübungsplatzes in eine Naturlandschaft, eine neue Nutzung, eine Zukunft ermöglicht, in der der Mensch sich weitgehend heraushält und der Natur Platz lässt zum Wachsen.
Die Aufstellung soll unter den örtlichen Gegebenheiten so erfolgen, dass beide Skulpturen für die Betrachter nachvollziehbar im Dialog miteinander stehen.
11 Micha Brendel
Micha Brendel
Steinreich
VITA
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1959 in Weida/Thüringen geboren, lebt seit 2010 in Hohendorf/LDS bildender Künstler, Verschrifter, Kurator und Autor
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1980 – 82 Volontär und Szenenbildassistent im DDR-Fernsehen
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1980 – 82 Abendstudium Malerei/Grafik, Kunsthochschule Berlin Weißensee
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1982 – 87 Studium Bühnenbild, Hochschule für Bildende Künste Dresden bei Prof. Günter Hornig
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1984 – 87 Herausgeber der unabhängigen originalgrafischen Künstlerzeitschrift „U.S.W.“
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1982 – 92 Gründung und Auftritte der „Auto-Perforations-Artisten“ mit Else Gabriel, Via Lewandowsky und Rainer Görß
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1987 – 2009 in Berlin als freiberuflicher Bildender Künstler tätig.
„Knochenalphabet“
„… eure Gebeine sollen grünen wie junges Gras.“ Jesaja 66,14
Eine ca. 3 x 4 Meter umfassende Fläche wird abgesteckt und von groben Strukturen gesäubert. Auf dieser Fläche werden Knochen und Knochenfragmente platziert, ähnlich einem sogenannten „Knochenalphabet“ aus der vergleichenden Anatomie. Das Gebein stammt von Wirbeltieren, ist gesäubert, entfettet und gebleicht. Die Knochen nehmen dadurch einen abstrakten, zeichenhaften Charakter an als Symbol der Vergänglichkeit und Formen eines unlesbaren Alphabetes.
Das „Land von Morgen“ entwickelt und verändert sich auf und mit seinen historischen Schichten, Unter- und Hintergründen. Die Skelettteile werden in einem bestimmten Ordnungsmuster, d.h. horizontal und vertikal ausgerichtet, gereiht; mit Drähten und kleinen Erdnägeln fixiert. Die Fläche wird mit einer Sandschicht (2 – 3 cm) aufgeschüttet und verdichtet, so dass ein glatter Untergrund entsteht. (mb)
12 Gaby Taplick
Gaby Taplick
Berlin
VITA
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2001 – 2007 Studium Bildende Kunst an der Fachhochschule Hannover bei Prof. Bernhard Garbert und Wolfgang Bulla
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2006 Diplom
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2007 Meisterschülerin bei Prof. Bernhard Garbert
„Es war einmal…“
Wildnis Lieberose. Aus einer ehemals durch Menschen zerstörten Landschaft entsteht im geringfügig beeinflussten Selbstlauf ein geschützter Raum, in dem die Natur sich frei entwickeln kann. Jahrzehnte als Truppenübungsgelände genutzt, wurde die Landschaft direkt durch Waffen zerstört und die Vernichtung von Menschen geprobt. In den Manövern ging es um Eroberung von Land und Unterwerfung. Genau hier sind Parallelen zum Genre des amerikanischen Western zu erkennen. Veränderung durch Gewalt. Erneuerung der Welt, nachdem die alte Ordnung und ihre Kultur brachial vernichtet wurden. Mit der Erkenntnis, dass wir den Planeten nicht unendlich ausbeuten können, ohne uns selbst zu zerstören, entsteht mit der Wildnis Lieberose ein Lebensraum, der dem entgegenwirkt.
Die Idee ist, den Eingangsbereich eines Saloons, in Form von einem Holzgerüst mit Schwingtüren zu installieren. Nahebei sind an hölzernen Stangen lose Zügel angebunden, ohne Pferde. Ein Relikt, das an Vergangenes erinnert im Land von Morgen.
13 Mauga-Houba Hausherr
Mauga-Houba Hausherr
Biestrzynnik (Polen)
VITA
1963 in Katowice (PL) geboren, lebt und arbeitet seit Anfang der 1980er Jahre zeitweilig am Niederrhein und in der alten polnischen Heimat
seit 2002 freiberuflich als Malerin, Illustratorin und Dozentin tätig; zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland;
Initiierung, Konzeption und Organisation mehrerer internationaler Ausstellungsprojekte und Aktionen
„Tische des Lebens“
Die geplante Installation besteht aus sechs „Bienentischen“, die in einer annähernd würfelförmigen Anordnung (ca. 3 x 3 x 3 m) aufgestellt werden. Jeder Tisch hat einen Durchmesser von 60–80 cm und eine Höhe von 30–40 cm. Die Tische sind aus Altholz gefertigt und mit alten Brettern, Stöcken, Reisig, Leinen und Erde gestaltet, sodass eine strukturreiche, natürliche Oberfläche entsteht. Darauf wachsen verschiedene bienenfreundliche Pflanzen, die den Wildbienen Nahrung und Lebensraum bieten.
Die Installation thematisiert den Schutz und die Wertschätzung von Wildbienen. Durch die Wahl von Materialien, die bereits eine Geschichte haben, werden Vergänglichkeit und Nachhaltigkeit sichtbar gemacht. Gleichzeitig entstehen kleine, lebenswerte Ökosysteme, die eine direkte Interaktion mit der Natur ermöglich
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