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Von hier aus Zukunft

09. Mai bis 26. September 2026

SPEKTRALE 12 / Teilnehmer


1 Alexandre Sladkevich

Alexandre Sladkevich

Berlin

VITA

Alexandre Sladkevich wurde in Swerdlowsk (dem heutigen Jekaterinburg), UdSSR, geboren. Er arbeitet als freiberuflicher Fotodesigner, Journalist, Dichter, Schriftsteller, Forschungsreisender und Tramper. Er publiziert in verschiedenen Medien. In einer Vielzahl von Einzelausstellungen wurden seine Bilder gezeigt. Bei Wettbewerben erhielt er mehrere Auszeichnungen und Preise.

Sein Unternehmen nennt sich „Sladkevich Photography and Journalism“. Sladkevich war Mitglied der Russischen Geographischen Gesellschaft.

 

 

Blick nach vorn zurück

Er selbst bezeichnet sich als ein Schlachtfeldarchäologe des Suchtrupps „Erinnerung“ und ein Volonteer-Archäologe. Seit Jahre sucht er verlassene Truppenübungsplätze und ehemalige Militärstandorte auf, um anhand von zufälligen Fundstücken deren vergangene Bedeutung zu recherchieren oder – was genauso häufig geschieht, den Fragmenten der Vergangenheit auf wundersame Weise neues Leben einzuhauchen. Nicht immer findet sich eine Kurzstreckenrakete sowjetischer Herkunft oder ein verbuddelter Panzer oder leere Patronenhülsen im Sand. Kleinere Militaria oder Alltagsgegenstände aus dem Kasernenleben, wie Abzeichen, Helme, Gasmasken, Konservendosen, Geschirr, Aluminium-Bestecke fördert er zutage, darunter auch kuriose Fundstücke, wie zerborstene Nippes und anderen Zierrat, kaputtes Spielzeug, Reste von Puppenkörpern, denen Alexandre Sladkevich neues Leben einhaucht, indem er sie zu auf ungewöhnlichen plastischen Objekten gestaltet. Mit der Kamera sucht er, dessen allererste Achtung dem Leben in seiner Vielfalt gilt, die in die Gegenwart hineinreichende Vergangenheit durch Indizien vor dem Vergessen zu bewahren. Für die Ausstellung sind drei Bilder aus der in Lieberose entstandenen Serie ausgewählt. Unter dem Motto „Blick nach vorn zurück“ bilden die drei Foto-Collagen nicht von ungefähr das Entree zur Ausstellung ´“Land von Morgen“. Hs

2/9 Kunstwerkstatt Lieberose – Beeskow

Kunstwerkstatt Lieberose – Beeskow
Heidemarie Klaue
Dieter Klaue

Lieberose

VITA Heidemarie Klaue

  • *1954 in Kaisermühl bei Müllrose
  • 1972-76 Studium der Kunsterziehung an der Humboldt-Universität Berlin,
  • Beschäftigung mit bildkünstlerischen Techniken, Acryl, Aquarell, Pastell
  • Seit 2010 Mitglied im Kunstkreis Beeskow und Förderverein Lieberose, Galeriearbeit und eigene künstlerische Tätigkeit
  • Seit 2019 Kursleiterin im Atelier der Burg Beeskow

VITA Dieter Klaue

  • *1954 in Lieberose
  • 1975-79 Studium Kunsterziehung und Deutsch an der Humboldt-Universität Berlin
  • 1979-82 Kunsterzieher in Eberswalde, Lieberose und Goyatz
  • 1985-90 Mitarbeit in der Burg-Galerie Beeskow
  • 1990 Mitbegründer des Fördervereins Lieberose e. V. und
  • des Kunstkreises Beeskow
  • seit 1997 Illustrator des Stadtjournals Lieberose
  • seit 2012 Galerist in der Darre in Lieberose

„Elfen-Reigen“

Schießplatz und Elfen-Reigen? Wie geht das zusammen? Heidemarie Klaue thematisiert den Konflikt auf originelle Weise, indem sie Strohrohlinge mit allerlei Fundstücken aus der Natur der Lieberoser Region versehen hat. Auf die geometrische Form der Ringe wurden Zweige, Blätter, Früchte und Ruten kunstvoll appliziert. Aufgelockert wird die statische Kreisform von schwingend verbundenen Weidenruten oder von dünnem Bruchholz kontrastiert.  Abschließend wurden alle Einzelformen der Kränze mit Silberspray aufgewertet und mit langen fließenden Seidentüchern, die in der Bewegung figurale Assoziationen wecken, ausgestattet. Heidemarie Klaue greift mit ihrem Elfen-Reigen in das Beziehungsgeflecht von Goethes „Erlkönig“ aus dem Jahr 1782 und dem in den 1920er Jahren beliebten Schlafzimmerbildern zurück. Während im Erlkönig sich der Konflikt zwischen ratio und übernatürlicher Wahrnehmung artikuliert, wird der tänzerische Elfen-Reigen als etwas zart Verschleiertes Feenhaftes dargestellt, in dem magisch-emotionale Naturerfahrung Gestalt annimmt. Damit charakterisiert sie den Ort im Rückblick als Übungsplatz rationaler Handlungen und als zukünftiges Traumland, in dem die Rückkehr naturmystischer Kräfte in der Wildnis erwartet wird. hs

 „Tierische Invasion“

Was hat es wohl mit diesen zu Fallschirmen umfunktionierten Regenschirmen auf sich? Und welche Rolle spielen die Plüschtiere, die in den Lüften schweben. Die Behauptung, dass künstlerische Installationen in Bäumen Natur und Kunst verbinden, hilft da auch nicht weiter. Dass derlei fragile Skulpturen in den Baumwipfeln Umwelt, Vergänglichkeit, die Beziehung zwischen Menschen und Natur thematisieren, schon eher. Im Grunde ist es viel einfacher. Als junger Mann hat Dieter Klaue des Öfteren beobachtet, wie die Fallschirmspringer auf dem Hubschrauberlandeplatz trainierten. Von den aus dem Himmel sinkenden weißen Schirmen war er so fasziniert, dass ihn das Bild nicht mehr losließ. Vor dem Hintergrund dieser orts- und erinnerungsspezifischen Erfahrung und der bildprägenden Erinnerung im Kopf schuf er eine raumprägende und die Umgebung belebende Installation aus schwebenden Schirmen, die sich kontrastreich zwischen dem Grün der Kiefern und Birken ausnehmen. Anstelle der Soldaten einer Luftlandeoperation hängen in den Fangseilen Plüschtiere, deren lebende Vorbilder, nach dem die Waffen schwiegen, zurückgekehrt sind oder in der Wildnis neu angesiedelt wurden. hs

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3 Annett Glöckner

Annett Glöckner
Neuruppin

VITA

  • 1964 in Borna bei Leipzig geboren; lebt und arbeitet in Neuruppin

  • 1982-1984 Lehre im Bleisatz

  • 1986-1987 Ausbildung im Fotosatz

  • 1987-1993 Studium Hochschule der Künste Berlin. Diplom und Meisterschülerin bei Prof. Bernhard Boës

  • 1987-2012 Studium Flamencotanz, Afrikanischer Tanz, Improvisation, Body Mind Centering, Butoh, Performance, Stimme

  • 2005-2020 Weiterbildung Sprache und Dichtung

„Natur Comics“

Vor der Fertigstellung ihres Kunstwerkes, zwei große Tafeln mit Poesie und Zeichnungen in Grün, Weiß und Violett (für Heidekraut), wird Annett Glöckner mehrere kleine Reisen machen und Worte sammeln kommen in Lieberose und Umgebung. Aus diesen Fundstücken wird sie Gedichte und Texte schreiben, in denen sie die Landschaft, die Bäume und die Vögel direkt anspricht und sichtbar und spürbar macht, wie diese antworten. Hallo Natur! Hallo Mensch! Ja, sie antworten, denn Annett Glöckner ist nicht nur Bildende Künstlerin sondern auch Dichterin und Performerin.

 

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4 Hannes Forster

Hannes Forster
Jamlitz

VITA

  • *1955 in Tuttlingen/Baden-Württemberg

  • 1979-85 Studium an der Hochschule der Künste in Berlin

  • 1984 Meisterschüler daselbst bei Prof. Herbert Schirmer Kaufmann

  • 1985-87 Stipendium Deutsch-Französisches Jugendwerk, HdK Berlin

  • 1989-2002 Arbeitsstipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg, Kunstpreis junger Westen, Förderkoje „art cologne“

  • 2002 Arbeitsstipendium des Landes Brandenburg

Ein Haus für einen Baum

Da grenzt eine halbwüchsige Kiefer an die Ecke des Bauwerks, dessen Inneres eigentlich als Behausung für den Baum gedacht war. Es mag paradox erscheinen, dass der Neubau eines Hauses an einen Baum andockt. Normalerweise werden Bäume gefällt, um Platz zu schaffen für das Übermaß an menschlichem Raumhunger, der die fortschreitende Zerstörung natürlicher und kultureller Lebensgrundlagen zur Folge hat. Nicht so bei Hannes Forster und nicht so in der Lieberoser Heide. Hier ist für das Sommerhalbjahr ein einfaches Fachwerk aufgestellt, das im Anschluss verbrettert wurde. Es handelt sich um einen nach oben hin offenem Schutzraum für nachwachsende Baumkulturen. Dieser schlichte Experimentalbau in Baracken-Architektur, wie man sie auch aus militärischen Zusammenhängen kennt, grenzt an einer Ecke an die Äste einer jungen Kiefer. Die offene Beziehung verweist im waldwirtschaftlichen Sinne auf die doppelte Bedeutung des Materials Holz, zum einen als Bauholz und zum anderen als nachwachsender Rohstoff. In der Wildnis wird dieses doppeldeutige Nutzdenken entschärft, weil die jungen aufstrebenden Bäume, sobald sie des Schutzraums überdrüssig werden, dem holzwirtschaftlichen Verbrauch entzogen sind. hs

5 Detlef Mallwitz

Detlef Mallwitz
Letschin OT Ortwig

 

VITA

  • 1951 in Berlin geboren; lebt und arbeitet in Ortwig bei Letschin
  • 1954 – 1970 aufgewachsen in Athen, Abitur an der Deutschen Schule Athen – Dörpfeldgymnasium
  • 1971 – 1977 Architekturstudium an der Universität Stuttgart, Diplom
  • 1978 – 1985 Studium der Bildhauerei an der Hochschule der bildenden Künste Berlin bei Prof. Bernhard Heiliger, Meisterschüler
  • 1977-1989 Teilnahme an Architekturwettbewerben und -ausstellungen
  • 1981-1986 Aufbau des Archivs der Internationalen Bauausstellung Berlin
  • seit 1990 freier Künstler: Ausstellungen und Kunst im öffentlichen Raum

„Raumschiff“

Für den Außenstehenden hat die Heidelandschaft etwas von einem fremden Planeten. Nicht dem Mond – den stellen wir uns kahl vor – sondern einem unbekannten Ort, der etwas Extraterrestrisches an sich hat:  Die Sanddünen, das Moos oder die Flechten, die diese bedecken, das Heidekraut und relativ junge Kiefern und Birken, die noch nicht lange dort zu sein scheinen. Das Gebilde „Raum-Schiff“ beschreibt ein mögliches Objekt ohne es zu sein. Es verbindet sich mit dem Raum wie die Zeichnung in Tusche mit dem weißen Papier und weist auf die Zukunft des zivilen wie militärischen Handelns hin und verweist damit wiederum auf den Ort, der dabei ist, sich von der robusten militärischen Nutzung zu erholen. Es beschreibt also gleichzeitig Erinnerung und zukünftige Entwicklung. Es ist eine Sache der Imagination und nicht eine Abbildung von etwas Realem, das wir hier in der Heidelandschaft finden. Das dunkle Holz täuscht aus der Ferne rostigen Stahl vor, also die Vergangenheit des Ortes und die in Raketensilber gehaltenen Knotenpunkte weisen auf mögliche zukünftige Aufgaben hin. Der Zwiespalt zwischen Vergangenheit und Zukunft beherrscht unser Land von heute auf allen Ebenen. Wie viel Vergangenheit wollen wir in die Zukunft retten und wie viel davon abstreifen, weil sie den unvermeidlich hereinbrechenden Fortschritt behindert. dm

 

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6 Clemens Tremmel

Clemens Tremmel
Leipzig

VITA

*1988 in Eisenhüttenstadt, lebt und arbeitet in Leipzig

2008-16 Studium an der Hochschule für bildende Künste in Dresden bei Prof. Christian Sery und Prof. Hans-Peter Adamski, danach Meisterschüler bei Prof. Ralf Kerbach

2013-25 Forschungsreisen in Europa, Asia, Afrika, Lateinamerika

Clemens Tremmel erhielt das Stipendium der BAT Campusgalerie Bayreuth, das Hegenbarth Stipendium der HfbK Dresden und wurde 2013 mit dem Casper-David-Friedrich Preis ausgezeichnet

 

…unter Vorbehalt

Wo früher einmal Panzer fuhren, wächst jetzt eine Palme

 

Die Warschauer Höhe bei Lieberose, ein ehemals militärisch genutztes Terrain der Kontrolle, Überwachung und territorialen Ordnung, wird durch einen künstlerischen Eingriff in einen Gegenraum transformiert. An die Stelle historischer Grenzziehungen tritt ein Ort, an dem natürliche und gesellschaftliche Prozesse die Logik klarer Abgrenzung unterlaufen. Dort, wo früher militärische Strukturen dominierten, wächst eine Palme als sichtbares Zeichen von Durchlässigkeit und Wandel. Die Palme fungiert als zentrales Symbol des Projekts. Sie steht für gesellschaftliche Verschiebungen und für das Sichtbarwerden von Menschen, Kulturen und Lebensformen, die zuvor als „fremd“ markiert waren und zunehmend Teil des sozialen Raums werden. Demografischer Wandel wird hier nicht abstrakt oder statisch verhandelt, sondern als konkrete Präsenz im Raum erfahrbar gemacht. Migration erscheint hier nicht als

diskursives Thema, sondern als räumliche Realität.

Als tropische Pflanze wird sie unmittelbar als „nicht zugehörig“ wahrgenommen. Gleichzeitig verweist sie auf Prozesse menschlicher Bewegung, Globalisierung, Klimawandel und veränderter Lebensrealitäten, durch die sich ehemals als fremd definierte Elemente dauerhaft in neue Kontexte einschreiben. Die Palme kann somit auch als Marker einer zukünftigen Landschaft gelesen werden.  ct

    7 Hans-Georg Wagner

Hans-Georg Wagner
Cottbus

VITA

  • *1962 in Havelberg, lebt und arbeitet in Cottbus
  • 1979-81 Ausbildung
  • 1983-86 Ausbildung zum Tischler
  • 1900-00 Hochschule für Angewandte Kunst, Schneeberg – Holzdesign bei Prof. Hans Brockhage und Karl-Heinz Jakob

„Zusammenstehen . Tänzer . Aufstehen“

Großer Odertorso, Tänzer und Aufstehen, immer wieder

Hans-Georg Wagner PLASTISCHE Werke interagieren miteinander. Sie kommunizieren zwischen Skulptur und Umgebung, zwischen Nähe und Nachhall. Dabei erkunden sie das menschliche Mit- und Gegeneinander und die Spuren, die wir – bewusst oder unbewusst – in Landschaft, Geschichte und Gesellschaft hinterlassen. In seinem Skulpturenstil herrscht eine architektonische Ordnung, während die Torsi als Essenz von Körperlichkeit in der Landschaft als Ausdruck zwischenmenschlicher Interaktionen erscheinen. einen ganz eigenen Skulpturenstil entwickelt, der weitestgehend von der Deutung der menschlichen Figur, mehr noch von humanem Verhalten schlechthin bestimmt, bei dem eine architektonische Ordnung den Ton angibt und anderseits der Torso als Essenz von Körperlichkeit erscheint. Der aus dem Innersten herausarbeitende Bildhauer bringt eine tief empfundene, existenzielle Kraft zum Ausdruck, die als eine Art beseelter Materie zum Bestandteil seiner bildnerischen Metaphern wird. So betrachtet, gestaltet Hans Georg Wagner die menschliche Figur als zeitlose Form, bei der zum einen eine architektonische Ordnung den Ton angibt und anderseits der Torso als Essenz von Körperlichkeit erscheint. hs

8/10 Lothar Seruset

Lothar Seruset
Lentzke

VITA

  • *1956 in Ulm, lebt und arbeitet in Lentzke  
  • 1988 Meisterschülerernennung an der Hochschule der Künste Berlin, bei Prof. J. Schmettau und Prof. E. Strautmannis
  • 1988-1989 DAAD Jahresstipendium für die Niederlande/Amsterdam
  • 1993-1995 Karl-Hofer-Stipendium Berlin
  • 2006 Arbeitsstipendium Künstlerhaus Lukas, Ahrenshoop
  • 2007 Organisation der Ausstellung „water_please“, das Schaufenster, FH Potsdam, Kunstverein Ulm
  • 2015 Realisierung einer Skulptur, Fliegen, Flughafen München
  • 2019 Stipendium des Ministeriums Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Künstlerdorf Schöppingen

„Im Eis“ – „Kleiner Eisbär“

Dass ein Eisbär einen Mann auf dem Rücken trägt, ist an sich schon ungewöhnlich und rätselhaft. Mehr noch, weil das Kreatürliche, das erkennbar Züge eines Menschen und eines Tieres trägt, in seltener Übereinkunft auf einer schlanken Säule thront. Die exponierte Platzierung (Herausgehobenheit) in luftiger Höhe könnte als Symbol für die höchste Stellung des homo sapiens innerhalb der Schöpfung und als rücksichtsloser Beherrscher der Natur verstanden werden. Muss es aber nicht. Was also stellt diese Figuration aus farbig gefasster Keramik dar und warum ist der Blickkontakt zur zweiten Plastik, dem kleinen Eisbären, erwünscht? Eine bildliche Fabel, ein Sinnbild der Verwandlung des Schießplatzes zur Wildnis, ein allegorischer Zusammenhang, am ehesten wohl doch die Darstellung eines konkreten Sachverhaltes, der uns beim Versuch seiner Entschlüsselung Probleme bereitet. (hs)

„Die Skulptur „Im Eis“ erscheint als eine sprechende Möglichkeit, um das Motto „Land von Morgen“ zu thematisieren: Die Frage nach dem Verhältnis des Menschen zu seiner Umgebung, zu den Lebensräumen, die besetzt, die gestaltet wurden. Und die mit diesem Ort die Transformation eines Panzerübungsplatzes in eine Naturlandschaft, eine neue Nutzung, eine Zukunft ermöglicht, in der der Mensch sich weitgehend heraushält und der Natur Platz lässt zum Wachsen. Die Aufstellung erfolgt so, dass beide Skulpturen für die Betrachter nachvollziehbar im Dialog miteinander stehen.“ (Lothar Seruset).

11 Micha Brendel

Micha Brendel
Steinreich

VITA

  • *1959 in Weida / Thüringen
  • 1980-82 Volontär und Szenenbildassistent beim Fernsehen der DDR
  • 1980-82 Abendstudium Malerei/Grafik an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee
  • 1982-87 Studium Bühnenbild an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, bei Prof. Günter Hornig
  • 1982-92 Gründung und Auftritte der „Auto-Perforations-Artisten“ mit Else Gabriel, Via Lewandowski und Rainer Görß
  • Seit 1987 freiberuflicher Künstler in Berlin
  • Seit 2010 Hohenwalde/Landkreis Dahme-Spreewald

„… eure Gebeine sollen grünen wie junges Gras.“ Jesaja 66,14

Dieses Orakel wendet sich in Form einer Verheißung an die Juden in der Persischen Zeit um 520 vor Christus, die aus dem babylonischen Exil nach Jerusalem zurückkehren. Die Heilige Stadt Gottes ist durch Krieg und Terror „zu einer Wüste geworden … zu einer Ödnis“ (Jesaja 64,10). Zions postapokalyptischer Zustand und Gottes seelsorgerische Verheißungen zum Wohle der Stadt und ihrer Bewohner, so geschrieben in Jesaja 66,10–14 beenden die alte Welt des Verfalls und schaffen eine neue Welt, in der Jerusalem Freude ist. Micha Brendel bezieht sich gleichnishaft auf die Wüste in Lieberose als Hinterlassenschaft der Militärs. Auf einer Sandfläche sind Knochen und Knochenfragmente platziert. Das Gebein stammt von Wirbeltieren, ist gesäubert, entfettet und gebleicht. Dadurch nehmen die Knochen einen abstrakten, zeichenhaften Charakter an, der sie als Symbol der Vergänglichkeit und Formen eines unlesbaren Alphabetes ausweist. Das „Land von Morgen“ entwickelt und verändert sich auf und mit seinen historischen Schichten, Unter- und Hintergründen. Die Skelettteile sind in einem bestimmten Ordnungsmuster, d.h. horizontal und vertikal ausgerichtet, gereiht und im Boden fixiert. Die Fläche wurde abschließend mit einer Sandschicht aufgeschüttet und zu einem glatten Untergrund verdichtet. hs/mb

12 Gaby Taplick

Gaby Taplick
Berlin

VITA

  • 2001 – 2007 Studium Bildende Kunst an der Fachhochschule Hannover bei Prof. Bernhard Garbert und Wolfgang Bulla
  • 2006 Diplom
  • 2007 Meisterschülerin bei Prof. Bernhard Garbert

„Es war einmal…“

Gabi Taplick sieht in der von Menschen durch militärische Gewalt veränderten Landschaft des früheren Truppenübungsplatzes Parallelen zum Film-Genre des Western. Dabei geht es ihr weniger um brutale Geschichten oder abgründige menschliche Gefühle wie Rache, Gier, persönliche Vergeltungsaktionen, vielmehr nimmt sie Bezug auf die kollektiven Vorgänge der Eroberung von Land und Unterwerfung von Menschen als Merkmale der meisten Kriege, Vorgänge, die auch in der Lieberoser Heide über Jahrzehnte trainiert wurden. Provoziert zu dieser Idee wurde sie von einer am Aufstieg zum Generalshügel vorgefundenen Holzkonstruktion, die sie an Anbindestangen für Pferde der Cowboys, wie sie in Westernfilmen vor den Saloons zu sehen sind, erinnert. Mit ihrer Schwingtür zum imaginären „Saloon“, der als erwartbares Klischee in Hollywood-Filmen als Epizentrum der Ereignisse fungiert, markiert sie einen Ort ungezügelter Leidenschaft und roher Gewalt, der als sozialer Knotenpunkt die brachiale Auseinandersetzung der Landnahme im Kleinen spiegelt. Ein Relikt, das an vergangenes erinnert im Land von Morgen. Mit der Erkenntnis, dass wir den Planeten nicht unendlich ausbeuten können, ohne uns selbst zu zerstören, sieht sie in der entstehenden Wildnis Lieberose einen geschützten Lebensraum, der dem entgegenwirkt. hs

13 Mauga-Houba Hausherr

Mauga-Houba Hausherr
Biestrzynnik (Polen)

VITA

  • *1963 in Katowice (PL), lebt und arbeitet seit Anfang der 1980er Jahre zeitweilig am Niederrhein und in der alten polnischen Heimat
  • seit 2002 freiberuflich als Malerin, Illustratorin und Dozentin tätig; zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland
  • Initiierung, Konzeption und Organisation mehrerer internationaler Ausstellungsprojekte und Aktionen

 

„Tische des Lebens“

Können wir der Natur helfen, sie um ihrer und um unser selbst willen im Überlebenskampf unterstützen? Mauga Houba Hausherr gibt mit ihrer Installation darauf eine plausible Antwort. Ihre Installation besteht aus sechs „Bienentischen“, die in einer annähernd würfelförmigen Anordnung auf einer Fläche von ca. 12 qm aufgestellt sind. Jeder Tisch hat einen Durchmesser von 70 cm und eine wechselnde Höhe von 30–40 cm.  Gefertigt wurden die Tische ausschließlich aus Naturmaterialien, die schon in früheren Zusammenhängen Verwendung fanden. Alte verwitterte Bretter, Stöcke, Reisig, Leinen und Erde wurden zu einer Oase gestaltet, in der eine strukturreiche naturnahe Oberfläche entsteht. Darauf wachsen verschiedene, der umgebenden Wildnis angepasste Pflanzen und nektarreiche Blumen, die nicht nur im Frühling den Wildbienen Nahrung und Lebensraum bieten. Die Installation thematisiert den Schutz und die Wertschätzung von Wildbienen. Durch die Wahl von Materialien, die bereits eine Geschichte haben, werden Vergänglichkeit und Nachhaltigkeit sichtbar gemacht. Gleichzeitig ist ein kleines lebenswertes Ökosystem entstanden, das im Zusammenspiel von individuellem Handeln und systemischen Wandel eine echte Interaktion mit der Natur ermöglicht. hs

 

veranstaltet vom:

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ein Projekt im Rahmen von:

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